Hier der neue Teil der Kolumne von Jens Röcke vom Gasthaus Stiller:

Meine rechte Hand hält den Griff fest umklammert, mein Zeigefinger ist bereit loszulegen, meine linke Hand hat das kalte Metallrohr fest im Griff. Wieder mal bin ich auf mich allein gestellt. Um mich herum eisige Stille. Ich starre in den Raum vor mir. Unendliche Weiten, denke ich und krümme langsam den Zeigefinger. Der Griff beginnt zu vibrieren und der Staubsauger heult auf. Aufräumen!

Warum sieht man eigentlich immer saubere Raumschiffe? Die Enterprise scheint immer frisch durchgewischt zu sein. Die Stormtroopers lassen nie Müll rumliegen, nirgends getragene Raumanzüge in den Ecken und keine Schlieren auf den Bildschirmen. Sogar Kampf- und Todessterne machen einen aufgeräumten Eindruck. Der Vergleich ist gar nicht so weit hergeholt. Wir leben auch auf einem Raumschiff.

Schließlich bewegt sich unser Planet mit 107 000 km/h um die Sonne. Die Sonne bewegt sich mit rund 900 000 km/h um das Zentrum unserer Galaxis, und die bewegt sich mit 400 000 km/h innerhalb unseres Galaxienhaufens. Und dieser Galaxienhaufen bewegt sich mit
2 000 000 km/h auf den nächsten Haufen zu. Das ist schnell – 946,4 km/s -, finden Sie nicht auch.
Unser Raumschiff Erde hat auch einen Schutzschild, nämlich die Atmosphäre, und es hat ein Lebenserhaltungssystem und eine Energieversorgung, die Natur.
Mir dämmert, dass es in zukünftigen Raumfahrtgenerationen selbstverständlich sein wird, Ressourcen zu sparen, Müll zu vermeiden und Ordnung und Sauberkeit zu halten, denn sie sind auf Ihre Raumschiffe angewiesen, da draußen im kalten, leeren Raum.

Vor 70 Jahren haben wir angefangen ins All vorzudringen. Wir sollten auch anfangen unser Mutterschiff, die Erde sauber zu halten, denke ich, und gehe zur Recyclingtonne. Und während ich den Deckel öffne, mache ich ganz leise hhrssssst und ssschüüühhh. War gar nicht so unendlich weit…

Jens Röcke